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Kiwo spricht in einem Video über seine Folter - Human Rights Watch fordert Gerechtigkeit für die Opfer!

WPN 9. Dezember 2010. Wie Human Rights Watch (HRW) berichtet, konnte die indonesische Regierung die Soldaten, die Tunaliwor Kiwo und Telangga Gire gefoltert und sich dabei per Handy aufgenommen haben, noch nicht identifizieren. Vor einigen Tagen wurde nun eine Videoaussage veröffentlicht, in der Kiwo von seiner Folter erzählt und erschreckende Einzelheiten offenbart. Kiwo und Gire wurden am 30. Mai bei einer Straßenkontrolle verhaftet, als sie mit dem Motorrad von Tingginambut nach Mulia unterwegs waren. Kiwo erzählt, dass die Soldaten sie an den Armen mit Seilen und an den Füßen mit Stacheldraht fesselten. Daraufhin wurden sie hinter den Militärposten gezerrt, wo die Folter fortgesetzt wurde. Unter anderem brach man Kiwo mit Zangen die Zehen, verbrannte ihm die Genitalien, stülpte ihm einen Plastikbeutel über den Kopf, bis er zu ersticken drohte und setzte ihn weiteren schweren Misshandlungen aus (Kiwos Videoaussage kann auf der Engage Media Website angesehen werden: http://www.engagemedia.org/Members/dewanadatpapua/videos/kiwotestimony_en/view). Phil Robertson, Leiter der Asienabteilung bei HRW, kritisiert die indonesischen Behörden, die untätig bleiben „statt ihrer Pflicht nachzukommen und die verantwortlichen Soldaten zu identifizieren und zu bestrafen“. Außerdem betont er im Hinblick auf die Videoaussage Kiwos: „Kiwo hat mit seiner Tat immensen Mut bewiesen. Er verdient Gerechtigkeit und Schutz vor Vergeltung, keine weitere halbherzige Militäruntersuchung und Vertuschung.“ Indonesien ist Teil der UN-Konvention gegen Folter und hat die Pflicht, alle Fälle von Folter zu untersuchen und die Betroffenen und Zeugen zu schützen. Dass dieser Pflicht nur halbherzig nachgegangen wird, zeigt der vorliegende Fall. Am 5. November wurde die Videoaussage weitergeleitet an die nationale Kommission für Menschenrechte. Eine Reise nach Papua ist geplant, um weitere Untersuchungen durchzuführen. Anzunehmen ist, dass diese durch mangelnde Kooperation von Seiten des Militärs und der Behörden erschwert werden. Im Falle eines zweiten Foltervideos, das andere Opfer zweieinhalb Monate früher zeigt, wurden die beteiligten Soldaten mittlerweile zu sieben bzw. fünf Monaten Haft verurteilt. Die Soldaten gestanden ihre Tat, es sei dazu während einer Routinepatrouille gekommen. Die Soldaten befragten einige Dorfbewohner, da sie Informationen erhalten hatten, nach denen im Dorf Schusswaffen versteckt sein sollten. Die Menschen wurden nach Geschlechtern getrennt und befragt. Erhielten die Soldaten Antworten, mit denen sie nicht einverstanden waren, traten und schlugen sie zu. Beobachter des Prozesses informierten HRW darüber, dass der zuständige Richter einen der Soldaten fragte: „Warum haben Sie die Aufzeichnungen behalten, wo Sie doch wussten, wie heikel sie waren?“ Nach zwei Anhörungen, in denen kein einziger externer Zeuge angehört wurde, war die Verhandlung beendet und die milden Urteile gefällt. Angeblich gehören diese Soldaten demselben Bataillon an, dem auch die Soldaten angehörten, die Kiwo und Gire gefoltert haben. Da die Regierung internationalen Organisationen zu diesem Gebiet keinen freien Zugang gewährt, konnte HRW bisher keine unabhängigen Nachforschungen anstellen.(jw)

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